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Exodus: Bildgewaltige, aber völlig unpassende Moseverfilmung

Gepostet von Jocky um 23:38

Exodus - Götter und Könige
Es freut mich ja, dass momentan biblische und christliche Themen im Kino in sind, dass solche Filmproduktionen Budget, Regisseure von Blockbustern bekkommen und vor allem dass sie es auch bei uns in die großen Kinos schaffen. Am 25. Dezember startete nun eine neue Moseverfilmung mit dem Namen „Exodus- Götter und Könige“ hierzulande in den Filmpalästen. Regisseur Ridley Scott hatte schon öfter bewiesen, dass er gute Geschichten hervorragend umsetzen kann („Gladiator“ und „Robin Hood“), auch die Schauspieler versprachen großes Kino (Christian Bale, Ben Kingsley). Leider muss ich sagen, dass mir der Film trotzdem überhaupt nicht gefallen hat.

Ich schiebe vielleicht die guten Dinge vorneweg, die das Werk durchaus zu bieten hat. Die schauspielerische Leistung ist durchaus hervorragend. Christian Bale (Moses) und Joel Edgerton (Ramses) überzeugen wirklich in ihren Rollen, die Kostüme und Kulissen sind großartig und versetzen einen glaubwürdig in die Zeit, die Umsetzung in 3D ist wunderbar und wird einem nicht übergestülpt. Der Film hat Überlänge und weist auch in der Umsetzung einige Längen auf.

Nachdem mir die biblische Geschichte wichtig ist, bin ich vielleicht ein bisschen befangen. An sich habe ich nichts gegen Änderungen der Vorlage aus filmischen Gründen und eine gewisse künstlerische Freiheit ist auch okay. Aber auch da muss ich sagen, dass die Änderungen nicht schlüssig und teilweise auch nicht nachvollziehbar sind.

Um wirklich verstehen zu können, muss ich die Geschichte des Filmes kurz erzählen und der biblischen Version gegenüber stellen. Wer sich den Film also nicht verspoilern will und unvoreingenommen sehen will, sollte hier aufhören zu lesen…

Massive Spoiler…!!!


Ähnlich wie in der Trickfilmumsetzung von Steven Spielberg „Prinz von Ägypten“ betont der Film von Ridley Scott die brüderliche Freundschaft von Moses und Ramses, die beide am Hof des Pharao aufgewachsen sind. Der eine tritt für den anderen ein, ihre Bindung ist eng. Das steht so nicht in der Bibel, ist aber durchaus nachvollziehbar und schlüssig. Moses wird zwar nie Herrscher werden, doch der Pharao hält ihn für den besseren Strategen und hätte ihn lieber als Thronnachfolger gesehen.

In dieser Adaption belächelt Moses jeglichen Glauben und macht sich über die Prophezeiungen einer ägyptischen Priesterin lustig. Und handelt auch ganz bewusst gegen den darin enthaltenen Rat. Er rettet aber dadurch bei einer Schlacht das Leben von Ramses. Hier sehen wir Moses als draufgängerischen, risikobereiten fast blutrünstigen Feldherrn. Ganz im Gegensatz zur Figur der Bibel. Hier ist Mose eher schüchtern, demütig, meint nicht sprechen zu können, will andere vor-, besser noch an seiner Stelle schicken. Also eigentlich das genaue Gegenteil zum Film. Im weiteren Verlauf erleben wir Moses als sehr redegewandt und schlau.

Mose geht Gerüchten von Aufständeplänen bei den hebräischen Sklaven nach. Er findet heraus, dass der dortige Statthalter wie ein König lebt und den Staat betrogen hat und eigentlich bestraft werden muss. Auf einem Geheimtreffen der jüdischen Ältesten erfährt er von Nun (Ben Kingsley), dass er eigentlich ein Hebräer ist. Mose kann es selbst nicht glauben, hält es aber geheim.

Als er wieder zurück in Memphis ist, stattet der korrupte Statthalter des Hebräerbezirks Ramses, der inzwischen Pharao ist, einen Besuch ab. Aber anstatt ihn zu verhaften, wie es Moses empfiehlt, läßt er ihn unter vier Augen sprechen. Dieser steckt ihm den wahren Ursprung von Moses. Als Moses Mutter und Mirijam verhört werden, ob sie verwandschaftliche Beziehungen zu Moses haben, leugnen sie. Dieser springt ein, als Mirjam der Arm abgehackt werden soll und bekennt sich zu seinem Ursprung.

Was nun folgt, ist für mich nicht ganz nachvollziehbar: Mose wird von einer Eskorte von Sklaven zusammen mit Mirjiam und seiner Mutter in die Einöde gebracht. Nachdem sie ihm versichert haben, dass er wirklich Hebräer ist und sie zu derselben Familie angehören, trennen sich ihre Wege. Im biblischen Bericht flieht Mose nachdem er einen ägyptischen Aufseher erschlagen hat. Ähnlich wie in der Bibel trifft er an einem Brunnen auf die schöne Zipporah und sorgt dafür, dass sie und ihre Schafe am Brunnen trinken können. Aus einem kurzen Besuch bei ihrer Familie wird ein längerer Aufenthalt, schließlich heiratet er sie.

Sehr zum Missfallen seiner Frau erzieht er ihren Sohn, dass es besser ist an sich zu glauben. Sichtbar wird das an einer Szene, wo der Junge Respekt vor dem heiligen Berg hat (wohl der Berg Horeb), den man nicht betreten dürfe. Kurze Zeit später geht Moses einigen Schafen nach und folgt ihnen auf den Berg. Ein paar Schafe sind ihm offensichtlich wichtiger als das allgemein respektierte Gebot, den Berg nicht zu betreten.

Es regnet inzwischen in Strömen als Moses unter einem Erdrutsch begraben wird. Als er wieder zu sich kommt, ist er unter Schlamm begraben, nur noch das Gesicht schaut heraus. Vor ihm der brennende Dornbusch. Hier begegnet ihm ein Junge, der ihm sehr kryptisch an seine Aufgabe erinnert ohne sie aber direkt anzusprechen. Offensichtlich soll der Knabe, der eher wie ein buddhistischer Mönch anmutet, wohl Gott darstellen. Klar wird das durch die Aussage: „Ich bin der, der ich bin“ und dadurch dass der Junge immer wieder auftaucht, mal sichtbar, mal unsichtbar… Mose macht sich darauf zurück nach Ägypten auf und lässt Frau und Sohn zurück. Er bricht dabei ein Versprechen, seine Frau nie zu verlassen.

Nicht nachvollziehbar, dass der Moses dem jeglicher Glaube so fremd ist, sich von einer solchen fragwürdigen Begegnung auf einmal überzeugen lässt, die selbst seine Frau anzweifelt und für eine Fieberhalluzination hält. Das hätte man überzeugender darstellen müssen, da doch der Moses, der nur auf seine Kraft und Vernunft baut, so breit aufgebaut wurde.

Wieder das genaue Gegenteil der biblischen Vorlage und geht haarscharf an Verballhornung vorbei. Im Original zieht Mose seine Schuhe aus und kniet nieder, weil er vor Ehrfurcht von der Heiligkeit und Größe Gottes ergriffen ist. Hier liegt Moses total besudelt im Schlamm. Nun kann man Gott als Jungen darstellen (auch wenn es nicht nachvollziehbar ist, warum dies hier so geschah), hier ist Gott aber eher grantig unwillig. Im Original ermutigt Gott Mose und gibt ihm Vollmacht und als Zeichen seiner Autorität und göttlichen Sendung einen Stab, mit dem er die Zeichen vor dem Pharao vollbringt.

Zurück in Ägypten geht Moses nicht zum Pharao, um die Forderungen Gottes zu überbringen, sondern zu den jüdischen Sklaven, um sie heimlich in Bogenschießen und Kriegskunst zu unterweisen. Inzwischen sucht der Pharao nach der Familie von Mose. Nachdem er sich nicht zu erkennen gibt, läßt Ramses auf grausame Weise andere jüdische Familien hinrichten, um die Hebräer dazu zu zwingen, den einstigen Bruderfreund zu verraten oder herzugeben – doch die Juden sterben lieber als den Anführer zu verraten.

Während Moses versucht ein kleines hebräisches Heer in Kriegskunst zu unterweisen, ergießen sich nun etliche Plagen über Ägypten unter denen aber auch die Juden leiden müssen. Krokodile greifen scharenweise die Boote auf dem Nil an, so dass dieser bald vom Blut der Leichen getränkt ist, das führt dazu dass die Frösche den Fluss verlassen und das Land „überfluten“ usw. Die ägyptschen Gelehrten finden dafür natürliche Erklärungen, Moses hat mit diesen Plagen gar nichts zu tun. Er ist sogar sauer auf Gott, dass dieser diese Plagen schickt. Wieder im kompletten Widerspruch zum Text im 2. Buch Mose (Exodus). Hier erscheint Mose jeweils vor dem Pharao, stellt seine Forderungen das Volk Gottes ziehen zu lassen und gibt immer wieder die Chance den Plagen zu entkommen, wenn der Pharao darauf eingeht. Die ägyptischen Magiere können jeweils nur die Plagen nachäffen, aber nicht verhindern.

Vor der letzten der 6 Plagen, die im Film vorkommen (Original 10), erscheint Moses nun vor dem Pharao. Die ihm vertrauten Wachen lassen ihn durch, den Pharao bedroht er lächerlicherweise mit einer Klinge. Moses warnt den ägyptischen Herrscher eindrücklich, sein Volk ziehen zu lassen, weil sonst etwas geschehen könnte, was er selbst nicht im Griff habe. Den Hebräern befiehlt Moses Lämmer zu schlachten und deren Blut an die Türpfosten zu schmieren. Kein Wort vom Passahfest, von dem gemeinsamen Mahl, kein Hinweis dass sich das Volk vorbereiten soll aufzubrechen, kein Wort davon dass die Erstgeburt sterben wird, wenn kein Blut am Türpfosten ist (ein prophetischer Hinweis übrigens auf den Opfertod von Jesus als unschuldiges Lamm, das die Sünde der Welt trägt).

Haben die Filmemacher vorher mit aller Gewalt versucht, die biblische Geschichte zu entmystifizieren und alle Ereignisse wissenschaftlich zu erklären, kommen sie nun nicht mehr umhin erste übernatürliche Ereignisse reinspielen zu lassen. Es braucht sich ein riesiges Unwetter über Memphis zusammen, ein Blitz entlädt sich in den Königspalast. Immer wieder wurde die Liebe von Ramses zu seinem kleinen Sohn dargestellt, der friedlich schlafen kann, weil er geliebt wird. Nun trifft es genau ihn. Nun gibt sich der Pharao geschlagen, zieht mit Soldaten und seinem toten Sohn in die Behausung der Juden. Er schmettert Moses entgegen: „Was sind das für Fanatiker, die einem solchen Gott folgen, der Kinder umbringt.“ Moses erwidert nur, dass keine einziges Jude gestorben sei (die unzähligen Menschen, die der Pharao auf dem Gewissen hat, bleiben unerwähnt). Nun werden die Juden verbannt und müssen quasi sofort das Land verlassen. Kein Wort davon, dass Pharao das Volk ziehen lässt, dass die Juden bereits aufbruchsbereit sind und dass die Ägypter sie mit Wertgegenständen überhäufen…

Moses führt nun das Volk in das verheißene Land, er kennt ja bereits den Weg, den er ja schon gegangen ist, als er bei Zipporahs Familie gelandet ist. Als sie merken, dass der Pharao sie mit einer Armee von Streitwagen verfolgt, führt er sie über einen gefährlichen Gebirgspass, weil er hofft, dass ihnen die Streitwagen dorthin nicht folgen werden. Leider müssen sie dabei ihre eigenen Wagen zurücklassen. Moses traut immer noch auf seine eigene Kraft und nicht darauf, dass Gott sie übernatürlich beschützen wird und einen Weg für sie bereiten wird. Wer eine lange Reise zu bestreiten hat, wird wohl niemals seine Wagen zurücklassen. Dummerweise hetzt der wahnsinnige Pharao ihnen dort nach und verliert durch einen Erdrutsch einen Großteil seiner Armee.

Moses hofft das Volk bei Ebbe durch die Meerenge zu führen. Als sie dort ankommen, weiß er zunächst aber nicht genau, ob sie richtig sind und es ist auch grade Flut. Als nun das Meer vor ihnen ist und die Armee hinter ihnen ist, wird es brenzlig. Bei den ersten Anzeichen, das wohl die Ebbe ansetzt (zumindest habe ich so die Geschehnisse interpretiert), führt Moses das Volk ins Meer, das immer noch mehr als hüfthoch Wasser hat. Auf einmal ist er der Meinung: „Folgt mir, denn Gott ist mit uns!“ Der Gesinnungswandel wieder mal nicht schlüssig dargestellt. Kein Stab mit dem Mose voller Autorität das Meer teilt, das sie trockenen Fusses durchqueren können.

Als die Ägypter das Meer erreichen und mit ihren Streitwagen ihnen aufs Wattland hinterherbreschen, ruft Moses seine Mannen zusammen, um die feindliche Armee mit Waffengewalt aufzuhalten. Er ignoriert völlig, das sich am Horizont ein Unwetter mit riesigen Tornados zusammenbraut, die eine riesige Flutwelle verursachen. Sowohl Moses als auch der Pharao scheinen des Wahnsinns zu sein. Die Männer auf beiden Seiten wollen sich in Sicherheit bringen, doch beide ehemaligen Bruderfreunde wollen sich einander stellen und kämpfen. Schließlich bleiben sie allein übrig bis die Flutwelle sie überrollt. Irrsinnigerweise überleben beide die Flut, die sie mit voller Wucht getroffen hat.

Gegen Ende des Films erhält Moses die 10 Gebote in einer Höhle von Gott. Während Moses die Texte eigenhändig eingraviert, halten beide ein Pläuschchen bei einer Tasse Tee. Moses mockiert sich wieder mal darüber, dass Gott ihn nicht nach seinem Einverständnis gefragt hat, während Gott es ihm offenläßt, ob er nun die Gebote wirklich aufschreibt. Ich muss nicht erwähnen, dass dies wieder im respektlosen Gegensatz zum biblischen Original steht, wo das Ganze eine so heilige und ehrfurchtgebietende Angelegenheit ist, dass das Volk sich fürchtet, den Berg überhaupt zu betreten und als Mose zurückkommt, er sein Angesicht bedecken muss, weil es so von der Herrlichkeit Gottes strahlt, dass es keiner in seiner Gegenwart aushält. Das goldene Kalb findet natürlich auch keine Bemerkung. Immerhin lässt Mose seine Familie holen…

Ich denke, es dürfte klar geworden sein, warum ich mit dieser Adaption der Mosegeschichte kaum etwas anfangen kann. Selbst wenn einem die Vorlage egal wäre, ergibt es keine stimmige Geschichte, die zudem noch einige Längen hat. Ich kann leider keine Empfehlung aussprechen…

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