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Die Notwendigkeit von Kunst

Gepostet von Jocky um 02:10

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Seitdem ich denken kann, habe ich mich künstlerisch betätigt. In meiner Kindheit war es nicht üblich, dass jeder Haushalt einen Fernseher hatte, es gab nicht dauernd Programm. Und natürlich durfte ich als Kind auch nicht alles schauen, was es vielleicht sogar im Fernsehen gegeben hätte. Meine ersten Trickfilmserien waren Wickie, Biene Maja, Sindbad, Pinocchio und Heidi. Mit Begeisterung habe ich die Figuren nachgezeichnet und viele Papiere damit gefüllt. In der Schulzeit habe ich sogar für Klassenkameraden die Figuren von Captain Future mit Vorder- und Rückseite gezeichnet und für wenig Geld verkauft.

Als Junge hatte ich immer einen Block und einen Kugelschreiber dabei und irgendwie alles gezeichnet, was mir vor die Augen kam oder einfach vor mich hingescribbelt. Es wird nicht groß verwundern, wenn ich jetzt erzähle, dass es mein Kindheitstraum war, einmal Trickfilme, Bilderbücher und Comics als Lebensunterhalt zu machen. Wie bei vielen jungen Künstlern waren da aber bald auch die Stimmen, die einem diesen Wunsch ausreden wollten und einem nahelegten, einen „sicheren“ Beruf zu ergreifen und keine brotlose Kunst zu betreiben. Und so war ich lange davon geprägt, dass meine Kunst minderwertig und nicht gleichwertig mit anderen Berufen und Fertigkeiten wäre.

Über die Jahre habe ich immer wieder mehr oder weniger mit meiner Kunst gemacht, es gab Zeiten wo ich fast gar nichts gezeichnet habe, dann wieder mal mehr. Aber immer war es schwierig meine Kunst als vollwertig anzusehen. Nach meinem Abitur war ich über die Jahre ja immer in verschiedenen Jobs und Tätigkeiten beschäftigt. Als Webdesigner ergab sich hier und da mal eine Möglichkeit, eine Zeichnung oder eine Animation unter zu bringen. Auch wenn ich als Designer kreativ tätig werden konnte und das am ehesten an meinen Kindheitswunsch herankam, war es nie wirklich das, wofür mein Herz schlug und brannte. Und dann gab es ja noch die Beschäftigungen und Jahre, wo ich Tätigkeiten nachging, die ganz weit weg von diesem Wunsch und ideal waren.

Ich weiß nicht, woran das wirklich liegt, aber ich erlebe es auch ganz oft, dass mich einiges davon abhält wirklich zeichnerisch und künstlerisch tätig zu sein. Irgendwie sitzt da noch dieses Ding im Nacken, dass Kunst nicht vollwertig ist. Obendrauf kommen dann noch die Angst vor dem bedrohlichen weißen Blatt Papier, Versagensängste und der Vergleich mit Künstlern, die um Welten besser und nie erreichbar zu sein scheinen…

Über die Jahre habe ich mich immer wieder mit der Frage nach der Berechtigung von Kunst beschäftigt. Ich hatte mir überlegt, ob es nicht besser wäre, handwerklich begabt zu sein, dann könnte man wenigstens mit anpacken. Und auch in schlechten Zeiten würde man dann ein Auskommen haben, denn dann hätten die Leute bestimmt kein Geld mehr für Kunst übrig… (mehr …)