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Comics: Coole Graphic Novel “Pjöngjang”

Gepostet von Jocky um 02:02


Heute möchte ich euch ein ganz besonderes Buch vorstellen: die Graphic Novel (Comicroman) “Pjöngjang” von Guy Delisle.

Es ist nicht nur deshalb besonders, weil es komplett in Schwarz/ weiß gehalten ist und so eine Atmosphäre von Bleistiftzeichnungen hat, auch nicht weil Strich und Erzählweise einen ganz besonderen Charme haben oder deshalb, weil sich dahinter eine wahre Geschichte verbindet.

Nein, sondern weil es von einem Land handelt, über das hierzulande kaum einer etwas weiß. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn es handelt sich um eine Geschichte aus Nordkorea.

Offenbar werden heutzutage Trickfilmproduktionen nicht mehr nach China ausgelagert, weil es dort billiger ist, sondern inzwischen nach Nordkorea. So ist Autor und Zeichner Guy Delisle für 2 Monate in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang, um die Arbeiten zu überwachen. Was er in dieser Zeit erlebt hat, hat er in dieser amüsanten und tiefgründigen Graphic Novel zu Papier gebracht.

Das Ganze spielt 2003, ist also schon einige Jahre her. Die Geschichte dürfte nicht nur für die interessant sein, die schon einmal in diesem Land waren, sondern auch für die, die Einblick in diese verborgenene Welt bekommen und dabei noch gut unterhalten werden wollen. Und so erfährt man einiges über die Geschichte des Landes, über ihre Gepflogenheiten und den ganz eigenen Umgang mit dem Regime, der Verehrung der beiden Führer und alles was drumherum passiert. Nebenbei erhält der interessierte Leser noch eine Einführung in die Grundlagen der Trickfilmproduktion.

Da es kein Internet, keine Handies, keine Kinos und die sonstigen Vergnüglichkeiten unserer Welt gibt, stellt sich Guy auf eine ziemliche langweilige Zeit ein. Trotzdem findet er eine Vielzahl von Beschäftigungsmöglichkeiten (sehr interessant, wenn man immer nur kurz im Lande war). Es gibt einige andere Ausländer in der Stadt, mit denen er sehr oft etwas unternimmt. Discobesuche, Karaoke, Billardspiele, Eisessen im Koryohotel (dem einzigen Ort, wo man das als Ausländer bekommt). Es gibt die NGOs, nochmal abgeteilte Städte innerhalb der Hauptstadt für Ausländer. Ab und zu ist er mit den UN-Leuten unterwegs, die sich als einzige Ausländer frei bewegen dürfen).

Seine Reiseleiter und Dolmetscher führen ihn auch immer wieder zu den “Sehenswürdigkeiten” des Landes, den Denkmälern, Museen und Palästen. Es ist höchst interessant, wie er diese Stätten zeichnet und kommentiert. In das Gästebuch des “Internationalen Museum zur Freundschaft” (hier sind sämtliche Geschenke ausgestellt, die beiden Führer auf Staatsbesuchen erhalten haben): “Noch nie in meinem Leben bin ich soviele Gänge entlang gelaufen. Glücklicherweise hatten wir Schuhschoner, sonst hätte ich jetzt Löcher in den Schuhsohlen“. Verständlich dass es nicht auf Begeisterungsstürme stieß, als sein Eintrag ins Koreanische übersetzt wurde.

Ich kann dieses Buch also nur wärmstens empfehlen. Wer schon einmal dort war, wird sich in vielen Details wiederfinden, aber auch einen ganz andern Einblick gewinnen (immer interassant, wenn man sehen will, was sich über die Zeit verändert hat, aber auch um Sein und Schein unterscheiden zu können).

Wer noch nicht dort war bekommt hier einen Schnelleinstieg in Geschichte, Denkweise und Leben in eines der verschlossensten Länder der Erde. Es läßt sich also auch ohne Vorwissen gut lesen und macht vielleicht Lust, mehr über dieses rätselhafte Land zu erfahren.

Die meisten der Bilder hier sind auf Englisch, weil es leider nicht allzuviele Ausschnitte auf deutsch gab. Aber durch die Bilder bekommt man ja auch schon einen Einblick in das Comic, auch wenn man die Sprache nicht so gut versteht.

Ein paar Links habe ich allerdings dennoch gefunden:
Leseprobe auf deutsch (die ersten Seiten)
Homepage des Zeichners
Homepage des Zeichners über das Buch
Übersicht über die Orte des Buches mit Link zu Google Maps

Am Schluß habe ich noch ein ganz besonderes Schmankerl. Einige Leute haben Szenen aus dem Comic nachgestellt, als selber im Land waren. Diese Fotos wurden dann in das Comic montiert. Das Ergebnis finde ich sehr reizend. klick

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